Der Biber in Österreich

Wenn Sie sich intensiver mit dem Biber beschäftigen möchten, können wir Ihnen einen Blick auf die folgenden Links empfehlen.

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Der Biber in Europa

 

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Kurzcharakterisierung des Bibers nach Freye (1978).

Körperbau

Mit einer Kopf-Rumpf-Länge von durchschnittlich 92,4 cm (Männchen) bzw. 96,5 cm (Weibchen) und einem mittleren Gewicht von 24,6 kg (Männchen) bzw. 26,7 kg (Weibchen) stellt der Biber das größte Nagetier Europas dar. Der charakteristisch abgeplattete Schwanz kann eine Länge von bis zu 34,5 cm erreichen und ist mit Schuppen bedeckt. Als semi-aquatisch lebende Säugetierart weist der Biber zahlreiche Anpassungen an ein Leben in und am Wasser auf. Dazu zählen verschließbare Ohr- und Nasenöffnungen, mit Schwimmhäuten versehene Hinterbeine und ein dichtes Fell, das auf der Bauchunterseite bis zu 23.000 Haar/cm² tragen kann. Die zweite Hinterfußzehe ist mit einer Doppelkralle (Putzkralle) versehen, die zum Striegeln des Fells dient. Männliche und weibliche Tiere sind anhand äußerer Merkmale nicht voneinander zu unterscheiden. Bei beiden Geschlechtern sind zwischen After und Geschlechtsteilen etwa hühnereigroßen Drüsensäcke ausgebildet, so genannte „Geildrüsen“ bzw. „Geilsäcke“, die das Bibergeil oder Castoreum produzieren. Der Biber nutzt dieses fetthaltige Sekret zur Fellpflege und zum Markieren seiner Reviergrenzen.

Ernährung

Biber Nagespuren. © B. Komposch
Biber Nagespuren. © B. Komposch

Biber sind reine Pflanzenfresser. Vor allem in den Wintermonaten ernähren sie sich von Rinde und Ästen von Weichhölzern wie Weiden und Pappeln, seltener von Birken, Erlen, Haselnuss, Ahorn, Ulmen, Eschen, Traubenkirschen oder Nadelbäumen. In den Sommermonaten nutzen sie ein breites Spektrum an krautigen Pflanzen, besonders Giersch, verschiedene Ampferarten, Brennnessel, Klee und Mädesüß. Daneben werden ganzjährig auch die Rhizome von Wasserpflanzen verzehrt. Um Rinde, Äste und Blätter erreichen zu können, werden Bäume bis zu einem Durchmesser von 60 cm gefällt. Dabei entsteht ein typisch kegelförmiger Anschnitt. Anschließend werden die dünneren Äste entweder an einer geschützten Stelle im Uferbereich gefressen oder zum Bau abtransportiert. Stärkere Äste werden an Ort und Stelle entrindet oder zerteilt und als Bauholz verwendet. Im Spätsommer und Herbst wird häufig im Bereich des Baueinganges ein im Wasser schwimmender Nahrungsvorrat, das so genannte Nahrungsfloß, in Form von Ästen und Zweigen angelegt.


Fortpflanzung und Entwicklung

Biber leben monogam.
Biber leben monogam. © B. Schön

Biber sind monogam. Die Paarung findet zwischen Jänner und März im Wasser statt. Nach einer durchschnittlichen Tragzeit von 105 Tagen werden im Zeitraum von April bis Mitte Juli ein bis fünf Jungtiere geboren, die bis zu drei Monate gesäugt werden. Obwohl die jungen Biber bei der Geburt bereits voll behaart und sehend sind, bleiben sie gewöhnlich die ersten vier bis sechs Wochen im Bau. Mit etwa zwei Jahren verlassen sie in der Regel den Familienverband. Die Geschlechtsreife tritt im Alter von 2,5 bis 3 Jahren ein. In freier Wildbahn können Biber bis zu 17 Jahre alt werden, in Gefangenschaft sind Höchstalter von 35 Jahren belegt. Todesursachen sind seltener natürliche Feinde, sondern häufiger Ertrinken bei Hochwasser sowie Infektionen nach Bissverletzungen im Zuge innerartlicher Auseinandersetzungen.


Lebensweise

Biberbau an der Raab.
Biberbau an der Raab. © B. Komposch

Biber leben im Familienverband, der meist aus einem Elternpaar mit Jungen im 1. und 2. Lebensjahr besteht. Im zentralen Teil des Wohngebietes einer Familie befinden sich ein oder mehrere Baue. An Flüssen werden oft Erdbaue gegraben, an stehenden oder langsam fließenden Gewässern Burgen aus Pflanzenmaterial aufgeschichtet. Der Zugang zum Bau liegt immer unter der Wasseroberfläche. Im Inneren des Baus befindet sich ein Wohnkessel, der stets trocken ist und etwa 20 cm über dem Wasserspiegel liegt. Die Wohngebiete der Familien können isoliert sein, sich aber auch teilweise überschneiden. Die Reviergrenzen werden mit Bibergeil am Gewässerufer markiert. An Fließgewässern schwankt die Revierlänge je nach Jahreszeit zwischen 100 und 3.000 m.
Biber sind nacht- und dämmerungsaktiv und verlassen ihren Bau im Sommerhalbjahr zwischen 16.00 und 18.00 Uhr. In kalten, schneereichen Wintern bleiben sie oft wochenlang im Bau und ernähren sich von den Holzvorräten des Nahrungsfloßes.


Lebensraum

Biberdamm an der Rittschein.
Biberdamm an der Rittschein. © B. Komposch

Biber leben sowohl an stehenden als auch an fließenden Gewässern. Wesentlichste Voraussetzungen für ein Vorkommen sind das Vorhandensein geeigneter Futterpflanzen im Nahbereich des Gewässers sowie eine ausreichende Wassertiefe. Die Gewässer dürfen im Sommer nicht austrocknen und im Winter nicht bis zum Grund gefrieren. Wasserstandsschwankungen können zum Teil durch die Anlage von Dämmen ausgeglichen werden.



[>] Freye, H.-A. (1978): Castor fiber Linnaeus, 1758 - Europäischer Biber. In: Niethammer, J. & Krapp, F. (Hrsg.): Handbuch der Säugetiere Europas. Band 1: Rodentia I (Sciuridae, Castoridae, Gliridae, Muridae). Akademische Verlagsgesellschaft, Wiesbaden: 184-200.


Linzer Biologische Beiträge (2014):
Verbreitung und Bestand des Europäischen Bibers (Castor fiber Linnaeus, 1758) in der Steiermark (Österreich)

Europäische Biber im Portrait. © B. Schön
Europäische Biber im Portrait. © B. Schön

Die Rückwanderung des Bibers in die Steiermark erfolgte entlang von zwei Migrationskorridoren: zum einen entlang der Raab aus Ungarn und zum anderen entlang der Mur aus Slowenien. Sowohl in Ungarn als auch in Slowenien wurde der Biber im 19. Jahrhundert ausgerottet. In Ungarn existieren heute wieder mehrere Vorkommen, die auf Aussetzungen oder Rückwanderungen basieren.

So sind in den 1980er-Jahren Tiere entlang der Donau aus Österreich in den Nordwesten des Landes (Bereich Szigetköz) eingewandert. Im zwischen Sopron und Mosonmagyaróvár gelegenen Ferto-Hansag-Nationalpark wurden ab 2000 Biber wiederangesiedelt. Im Südosten leben Tiere an der Drau, die aus Kroatien eingewandert sind. Im Gemenc-Nationalpark in Südungarn wurden in den 1990er Jahren etwa 50 Biber ausgesetzt, weitere Aussetzungen erfolgten zwischen 2001 und 2008 in mehreren Gebieten an der Theiss (Bozsér 2001). Der aktuelle Gesamtbestand wird auf mehr als 500 Tiere geschätzt (Zahner et al. 2005).

In Slowenien wurden bislang keine geplanten Aussetzungen durchgeführt. Das Vorkommen des Bibers ist hier in erster Linie auf aus Kroatien eingewanderte Tiere zurückzuführen und beschränkt sich auf die östliche Landeshälfte (Zahner et al. 2005, Grubesic et al. 2001). Zahlreiche Beobachtungen liegen von der Mur zwischen der kroatischen und der österreichischen Grenze vor.

In Kroatien erfolgten Wiederansiedelung in den 1990er Jahren an Save und Drau (Schwab 1998). Der geschätzter Bestand beträgt etwa 300 Tiere (Zahner et al. 2005). Seit wann der Europäische Biber wieder in der Steiermark vorkommt, lässt sich nicht genau belegen.

In der Steiermark:

Es ist anzunehmen, dass die Wiederbesiedelung vor rund 20 Jahren begonnen hat.


[>] Bozsér, M. S. (2001): History and reintroduction of the beaver (Castor fiber) in Hungary, with special regard to the floodplain of the Danube in Gemenc area. In: Czech, A. & Schwab, G. (Hrsg.): The European Beaver in a new millenium. Proceedings of the 2nd European Beaver Symposium, 27-30 Sept. 2000, Bialowieza, Poland. Carpathian Heritage Society, Krakow: 44-46.
[>] Grubesic, M., Kusan, K. & Krapinec, K. (2001): Monitoring of beaver (Castor fiber) population distribution in Croatia. In: Czech, A. & Schwab, G. (Hrsg.): The European Beaver in a new millenium. Proceedings of the 2nd European Beaver Symposium, 27-30 Sept. 2000, Bialowieza, Poland. Carpathian Heritage Society, Krakow: 29-38.
[>] Schwab, G. (1998): Bayern’s friedliche Castor-Transporte. Kosmos 12: 44-50.
[>] Zahner, V., Schmidbauer, M. & Schwab, G. (2005): Der Biber. Die Rückkehr der Burgherren. Buch & Kunstverlag Oberpfalz, 136 S.


Linzer Biologische Beiträge (2014):
Verbreitung und Bestand des Europäischen Bibers (Castor fiber Linnaeus, 1758) in der Steiermark (Österreich)

Biberdam an der Rittschein.
Biberdam an der Rittschein. © B. Komposch

Mit dem Biber ist eine „Schlüsselart“ in unsere heimischen Gewässer zurückgekehrt. Von seiner Fähigkeit, die Landschaft nach seinen Bedürfnissen zu gestalten, profitieren zahlreiche andere Arten. Dazu zählen sowohl Wirbeltiere wie Fledermäuse, Vögel, Amphibien und Fische als auch zahlreiche wirbellose Arten wie z. B. Libellen sowie verschiedene Pflanzenarten. Durch den Bau von Dämmen ändern sich die Abflusseigenschaften der Gewässer. Es entstehen neue, vom Wasser geprägte Lebensräume wie Teiche, Tümpel, Röhrichte und Feuchtwiesen. Diese Lebensräume werden rasch von anderen Tieren und Pflanzen besiedelt und die Artenvielfalt nimmt zu.

Die Nage- und Fälltätigkeit des Bibers führt dazu, dass das Angebot an liegendem und stehenden Totholz stark ansteigt. Baumhöhlenbewohnende Fledermausarten, Spechte und totholzbewohnende Insekten und Pilze werden gefördert. Ins Wasser ragende Äste stellen Versteckmöglichkeiten für Jungfische dar. Untersuchungen in Bayern haben gezeigt, dass im Nahbereich von Biberburgen die Fischdichte bis zu 80-mal höher ist als in vergleichbaren Gewässern ohne Biber. Aus ehemals strukturarmen Gewässern werden kleine „Oasen der Vielfalt“.

Damit leistet der Biber - kostenfrei - einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der Biologischen Vielfalt und unterstützt damit den Österreichischen Staat, der sich im Jahr 1995 zur Biodiversitätsstrategie bekannt hat.

Neben seinem Beitrag zur Artenvielfalt trägt der Biber auch zu Renaturierung von Fließgewässern bei, kann durch den Rückhalt von Wasser in der Landschaft Hochwasserspitzen abpuffern und verbessert die Wasserqualität.


Vom Biber gestaltete Landschaft an der Rittschein. basemap.at (2016) vs. Drohnenbefliegung ÖKOTEAM (März 2017).
Vom Biber gestaltete Landschaft an der Rittschein. basemap.at (2016) vs. Drohnenbefliegung ÖKOTEAM (März 2017).

Linzer Biologische Beiträge (2014):
Verbreitung und Bestand des Europäischen Bibers (Castor fiber Linnaeus, 1758) in der Steiermark (Österreich)

Historische Verbreitung des Europäischen Bibers (Castor fiber) in der Steiermark

Historische Verbreitung des Bibers in der Steiermark. P. Zimmermann
Historische Verbreitung des Bibers in der Steiermark. P. Zimmermann

Als westpaläarktisches Faunenelement war der Biber ursprünglich in den bewaldeten Teilen der Paläarktis verbreitet. Spätestens seit dem Hochmittelalter kam es zu einem starken Rückgang der Bestände infolge von Bejagung und Zerstörung seiner Lebensräume. Das ehemals dichte gewässerbegleitende Netzwerk von Biberkolonien schrumpfte zusehends zusammen (SIEBER & BAUER 2001).

Anhand der landeskundlichen und jagdgeschichtlichen Literatur hat STÜBER (1988) die historische Verbreitung des Bibers in der Steiermark recherchiert. Demnach liegen historische Nachweise aus allen Landesteilen und von allen Haupteinzugsgebieten vor. Diese stammen nicht nur von Gewässern bzw. Gewässerabschnitten in tieferen Lagen (Unterläufe von Lafnitz, Feistritz, Raab, Mur, Sulm und Laßnitz) sondern auch aus höheren Lagen wie beispielsweise der Mur bei Leoben und Scheifling, der Mürz bis Mürzzuschlag, dem Thörlbach nördlich von Kapfenberg und der Teigitsch südlich von Voitsberg. Die Enns wurde in ihrem gesamten Verlauf besiedelt, selbst in jenen Bereichen, in denen der Fluss den Charakter eines Gebirgsbaches hat wie im Raum Schladming. Der letzte dokumentierte Bibernachweis aus der Steiermark stammt von der Mur bei Leoben (SIEBER & BAUER 2001).

Im Gegensatz zu anderen Bundesländern (HOHENAUER 2010) lassen in der Steiermark nur wenige Orts- und Flurbezeichnungen auf ein ehemaliges Vorkommend des Bibers schließen.
In der Österreichischen Karte des Bundesamts für Eich- und Vermessungswesen sind nur die Ortschaft Piber am Köhlbach im Bezirk Voitsberg,
der Weiler Piber am Reibersbach (Lungitzbach-Zubringer) im Bezirk Hartberg und die Flurbezeichnung Piberegg im Quellgebiet des Geilbachs (Bezirk Voitsberg) verzeichnet.

 

Aktuelle Verbreitung des Europäischen Bibers (Castor fiber) in der Steiermark

Die Rückwanderung des Bibers in die Steiermark erfolgte entlang von zwei Migrationskorridoren: entlang der Raab aus Ungarn und entlang der Mur aus Slowenien. Sowohl in Ungarn als auch in Slowenien wurde der Biber im 19. Jahrhundert ausgerottet. In Ungarn existieren heute wieder mehrere Vorkommen, die auf Aussetzungen oder Rückwanderungen basieren (BOZSÉR 2001). In Slowenien wurden bislang keine gezielten Aussetzungen durchgeführt. Das Vorkommen des Bibers ist hier in erster Linie auf aus Kroatien eingewanderte Tiere zurückzuführen und beschränkt sich auf die östliche Landeshälfte (GRUBESIC et al. 2001, ZAHNER et al. 2005). In Kroatien erfolgten Wiederansiedelung in den 1990er Jahren an Save und Drau (SCHWAB 1998).

Aktuelle Verbreitung des Bibers in der Steiermark. P. Zimmermann.
Aktuelle Verbreitung des Bibers in der Steiermark. P. Zimmermann.

Aktuell besiedelt der Biber das Mur-, Lafnitz-, Feistritz-, Raab-, Sulm-, Laßnitz- und Kainachtal sowie das Leibnitzer und Grazer Feld. Entlang der Lafnitz dringt der Biber ins Steirische Randgebirge (Joglland) auf rund 600 m Seehöhe vor.

 

Kanadische Biber (Castor canadensis) in der Steiermark

Zu Beginn der 1980er Jahre entkamen bei einem Hochwasser mehrere Kanadische Biber (Castor canadensis) aus dem Tierpark Herberstein im Bezirk Hartberg und breiteten sich entlang der Feistritz aus. Eine Ansiedelung fand oberhalb der Freienberger Klamm in Unterfeistritz statt. Anfang der 1990er Jahren lebten hier zwei Familien mit insgesamt sieben bis acht Tieren (SCHLACHER 1992), die einerseits durch die Errichtung eines Damms an einem Zubringer der Feistritz auf sich aufmerksam machten (HOLZINGER 1994) und andererseits durch Grabungen die Baugrube der in Errichtung befindlichen Kläranlage Lebing unter Wasser setzten und damit den Unmut der Bevölkerung auf sich zogen.

Eine weitere Ansiedelung fand im rund 35 km flussauf gelegenen Albrechtsee (= Albertsee) in Ratten statt. Im Jahr 1983 wurde hier ein (oder mehrere?) sehr zutrauliches Tier mehrfach beobachtet; Sichtungen wurden flussauf bis Feistritzwald gemeldet. Auch ein von einem PKW in diesem Bereich überfahrener Biber wurde dokumentiert, genaue Angaben dazu liegen jedoch nicht vor. 1993 wurden zahlreiche Fällungen unterhalb des Kraftwerks Pichler bei Gallbrunn registriert. Das Kraftwerk befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen Unterfeistritz und Ratten. Im Auftrag der Steiermärkischen Landesregierung wurde 1992 die Artbestimmung bestätigt und Frau Dr. Johanna Sieber damit beauftragt, die Kanadischen Biber einzufangen. In Folge wurden bis Ende 1994 fünf Tiere abgefangen (davon ein bis zwei am Albrechtsee) und an Zoos in Tschechien und der Schweiz abgegeben. Zwei weitere Biber kamen als Verkehrsopfer zu Tode (SIEBER & BAUER 2001).

Das gesamte Verbreitungsgebiet des Europäischen Bibers (Castor fiber)

Aktuelle Verbreitung des Europäischen Bibers nach Batbold et al. (2008), verändert.
Aktuelle Verbreitung des Europäischen Bibers nach Batbold et al. (2008), verändert.

Der Europäische Biber (Castor fiber Linnaeus, 1758) war ursprünglich in den borealen und nemoralen Zonen der Paläarktis weit verbreitet. Vorwiegend durch Bejagung, aber auch aufgrund der Zerstörung seiner Lebensräume wurde er im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in Europa weitestgehend ausgerottet. Nur an wenigen Gewässersystemen konnte er überleben: an der mittleren Elbe in Deutschland, am Unterlauf der Rhone in Frankreich, im südlichen Norwegen, an Memel und Dnjepr in Weissrußland sowie am Woronesch in Russland (Batbold et al. 2008). Erst umfassende Schutzmaßnahmen und Wiederansiedelungsprojekte führten dazu, dass der Biber inzwischen viele Teile seines ehemaligen Verbreitungsgebiets wieder besiedelt und heute als nicht mehr gefährdet gilt (Halley & Rosell 2003, Batbold et al. 2008).

Auch in Österreich war der Biber bis ins 17. Jahrhundert an allen großen Flusssystemen präsent. Innerhalb der folgenden 150 Jahre wurde die Art bis auf Vorkommen an der Donau und Salzach ausgerottet. 1869 war der autochthone Biberbestand schließlich erloschen (Sieber & Bauer 2001). Ausgehend von Wiederansiedelungen zwischen 1976 und 1982 mit vorwiegend aus Polen stammenden Tieren in den Donauauen in und östlich von Wien (Sieber 2003), in der Ettenau in Oberösterreich (Schön & Maringer 2013) und bei Weitwörth in den Salzachauen in Salzburg (Österreichischer Naturschutzbund 1983) ist die Art im Donauraum mittlerweile wieder weit verbreitet. Vorkommensschwerpunkte sind in Salzburg und Oberösterreich Salzach und Inn, in Niederösterreich die Tullner-, Korneuburger- und Marchauen, der Nationalpark Donauauen sowie Schwechat und Fischa im Südosten von Wien (Sieber & Bauer 2001).

Um 1990 wurde der Biber nach 180-jähriger Abwesenheit erstmals wieder in Tirol beobachtet. Die Zuwanderung erfolgte über die Großache und den Inn aus Bayern (Amt der Tiroler Landesregierung 2011). Im Jahr 2004 gelang in Kärnten an der Drau bei Völkermarkt ein Wiederfund der Art (Petutschnig & Vogl 2007). Die Zuwanderung erfolgte hier über Slowenien aus Kroatien (Krystufek et al. 2006). Im Jahr 2008 wurde das Vorkommen im südlichsten Bundesland Österreichs im Zuge einer Diplomarbeit umfassend dargestellt (Graf 2008, 2009). In Vorarlberg konnte der Biber 2006 erstmals am Alten Rhein festgestellt werden. Dieses Vorkommen wurde ebenfalls im Rahmen einer Diplomarbeit von Loacker (2011) dokumentiert. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts wurde der Biber auch in der Steiermark an der Mur im Bereich der slowenischen Grenze und im Burgenland an der Lafnitz nachgewiesen. Der aktuelle Gesamtbestand des Bibers in Österreich wird auf rund 5000 Individuen geschätzt.


 

[>] Amt der Tiroler Landesregierung (2011): Biber in Tirol. Eine Informationsbroschüre der Abteilung Umweltschutz des Landes Tirol, Referat Naturkunde, 32 S.
[>] Batbold, J., Batsaikhan, N., Shar, S., Amori, G., Hutterer, R., Kryštufek, B., Yigit, N., Mitsain, G. & Palomo, L. J. (2008): Castor fiber. In: IUCN 2013. IUCN Red List of Threatened Species. Version 2013.2. www.iucnredlist.org. [Abgerufen am 26.01.2014].
[>] Bozsér, M. S. (2001): History and reintroduction of the beaver (Castor fiber) in Hungary, with special regard to the floodplain of the Danube in Gemenc area. In: Czech, A. & Schwab, G. (Hrsg.): The European Beaver in a new millenium. Proceedings of the 2nd European Beaver Symposium, 27-30 Sept. 2000, Bialowieza, Poland. Carpathian Heritage Society, Krakow: 44-46.
[>] Graf, P. (2008): Ausbreitung, Habitatwahl und Habitatnutzung des Bibers (Castor fiber) in Kärnten. Diplomarbeit am Institut für Zoologie an der Karl-Franzens-Universität Graz, 118 S.
[>] Graf, P. (2009): Der Biber (Castor fiber L.) in Kärnten. Carinthia II, 199./119.: 27-38.
[>] Grubesic, M., Kusan, K. & Krapinec, K. (2001): Monitoring of beaver (Castor fiber) population distribution in Croatia. In: Czech, A. & Schwab, G. (Hrsg.): The European Beaver in a new millenium. Proceedings of the 2nd European Beaver Symposium, 27-30 Sept. 2000, Bialowieza, Poland. Carpathian Heritage Society, Krakow: 29-38.
[>] Halley, D. J. & Rosell, F. (2003): Population and distribution of European beavers (Castor fiber). Lutra 46: 91-101.
[>] Hohenauer, T. (2010): Die ehemalige Verbreitung von Hanf, Flachs und Biber. Eine sprachwissenschaftlich-kulturhistorische Analyse von Örtlichkeitsnamen in Österreich, 77 S.
[>] Holzinger, W. E. (1994): Bemerkenswerte Hydro- und Helophytenfunde aus der südlichen Steiermark. Notizen zur Flora der Steiermark 13: 23-26.
[>] Krystufek, B., Hudolkin, A. & Pavlin, D. (2006): Beaver (Castor fiber) in Slovenia. Journal of the Slovenian Museum of Natural History 59: 1-41.
[>] Loacker, K. (2011): Der Biber (Castor fiber) am Alten Rhein – Habitateignung und Konfliktpotenzial. Masterarbeit an der Universität für Bodenkultur, Wien, 86 S.
[>] Österreichischer Naturschutzbund (1983): Österreichische Jagdausstatter spendeten Biberpärchen. Natur und Land 69: 95-96.
[>] Petutschnig, W. & Wolfgang, V. (2007): Der Biber (Castor fiber) kehrt zurück. Carinthia II, 197./117.: 67-72.
[>] Schlacher, R. (1992): Biber in der Steiermark. 156. Naturschutzbrief 4/92: 21.
[>] Schön, B. & Maringer, A. (2013): Konfliktmanagement in Oberösterreich. Natur & Land 99: 30-31.
[>] Schwab, G. (1998): Bayern’s friedliche Castor-Transporte. Kosmos 12: 44-50.
[>] Sieber, J. (2003): Wie viele Biber (Castor fiber L.) sind zu viel? Denisia 9: 3-11.
[>] Sieber, J. & Bauer, K. (2001): Europäischer und Kanadischer Biber. In: Spitzenberger, F: Die Säugetierfauna Österreichs. Grüne Reihe des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft 13: 366-374.
[>] Zahner, V., Schmidbauer, M. & Schwab, G. (2005): Der Biber. Die Rückkehr der Burgherren. Buch & Kunstverlag Oberpfalz, 136 S.


Linzer Biologische Beiträge (2014):
Verbreitung und Bestand des Europäischen Bibers (Castor fiber Linnaeus, 1758) in der Steiermark (Österreich)